FINNLAND. VIELFALT. EIN TAG AUF DER BUCHMESSE FRANKFURT 2014

Mein Artikel erschien ursprünglich bei www.noerdhaeftii.de

Frankfurt, 8. Oktober 2014 und es wird cool. Cool?  – Klar, es geht ja um Finnland, dem Ehrengast der diesjährigen Buchmesse.  Nach dem Motto “Finnland.Cool” beteiligte sich das nordische Land mit zahlreichen Projekten. Auf dem Messegelände und in der Frankfurter Innenstadt fanden so in der letzten Woche rund 400 Finnland-Veranstaltungen statt. Poetische Lesungen, Ausstellungen und ein Café mit finnischen Spezialitäten luden so ein, dem Land ein bisschen näher zu kommen, vielleicht mit Vorurteilen aufzuräumen oder einfach nur im Fernweh zu schwelgen

Ab nach Finnland, dem Land, das – wenn man auch dem Medienecho nachgeht – positiv überraschte. Im Finnland-Pavillion bot die Buchmesse Lesungen, Interviews und so allerhand Interessantes und Skurriles. An dem Tag als wir die Buchmesse stürmten, war das Programm eine wirklich finnische Mischung. Der Finnland Pavillion orientierte sich am Slogan der Buchmesse. FINNLAND. COOL. Und was “cool” in dem Zusammenhang bedeuten kann, finden wir noch heraus.

Das Raumdesign griff den finnischen Winter, die Landschaft, Eis, Schnee, die Stille, Ruhe und Reinheit auf, um dann in den zylindrischen Raumeinheiten die einzelnen Veranstaltungsörtchen zu separieren, aber doch nicht zu trennen. Aber nicht nur das spiele eine Rolle, bemerkten die Designer Natalia Baczynska, Nina Kosonen und Matti Mikilä der Aalto-Untiversität:

“Auch die Bibliothek und der Park spielen eine wichtige Rolle. Die Werte der finnischen Bibliotheken, ausgehend von und eingehend auf die Menschen mit ihren verschiedenen Bedürfnissen, haben uns zu der Atmosphäre des Pavillion inspiriert. Ohne das Lesen aus dem Blick zu verlieren, versteht sich die Bibliothek als Wohnzimmer für alle Bürger, in dem die Menschen aktiv werden und teilhaben können. Sie ist für jeden erreichbar und nutzbar. Diese Botschaft wollen wir auch mit unserem Konzept vermitteln.”

Zum ersten Mal in der Geschichte der Buchmesse hat den Gastland-Pavillion kein rennomiertes Architekturbüro geplant und gebaut. So, wie die Finnen sind, schicken sie drei Design-Masterstudenten für Innenarchitektur, die so gleich mal Erfahrungen mit internationalen Projekten gewinnen können. In diesem Fall bedeutet der Slogan: FINNLAND. MUTIG.

Besuchen wir also die erst Bühne – eigentlich eher ein Amphietheater: FINNLAND. COOL. Stage.

TOVE JANSSON REVISITED

Viele der Finnland-Liebhaber kennen die Mumins und mögen Ihre Erfinderin Tove Jansson. Die kleinen weißen Trolle gehören genauso zu Finnland wie beispielsweise Marimekko-Muster und Teema-Geschirr. Unter dem Programmpunkt “Tove Jansson Revisited” wurde das Leben und wirken der Mumin-Mutter beleuchtet. Die Gesprächsgäste waren Sophie Jansson (Tove’s Nichte) und ihre Biographin Tuuli Kirjalainen. 

Wer über den Sommer in Helsinki war, der hat bestimmt auch die wunderbare Tove Jansson-Ausstellung im Ateneum besucht. Das Gespräch mit den beiden Finninnen, die der Künstlerin näher gekommen sind als wir es jemals werden, griff Teile dieser Ausstellung auf. Es wurde das Leben von Tove beleuchtet und mit lebensfrohen Anekdoten bestückt.
Sie hat die Mumins erfunden und gezeichnet, damit sie eigentlich in einem Britischen Magazin erschienen. Dass daraus später noch etliche Comicbücher folgen würden ahnte keiner. Tove Jansson kam traditionell von der Malerei zu der sie später auch zurückkehrte. Es war ihr eigentlicher Wunsch Malerin zu sein. Ihr Bruder hat für sie dann die Mumin-Comics fortgeführt.
Dank der Anwesenheit von Sophia wird nicht nur gezeigt, dass Tove aus einer Künstlerfamilie entstammt, für die es selbstverständlich war etwas spartanisch zu leben. Die Unterhaltung wird lebendig und freudig. So wie ein Mumin im exotisch anmutenden Mumin-Tal.
Tove verarbeitete selbst in den Mumins Teile ihres Umfeldes. So ähnelte ein Gebäudeteil eines gegenüberliegenden Hauses, den sie aus dem Fenster ihres Arteliers sehen konnte, dem Muminturm, erzählt die Nichte freizügig. Sie hatte immer einen Hang zum Exotischen: So wollte Sie als junge Frau nach Tonga mit ihrem Bruder auswandern – der König hatte schon zu gestimmt – und genauso abenteuerlustig sind auch ihre weißen Trolle und erkunden die Welt.
Tove Jansson lebte später mit ihr Lebensgefährtin – selbst Künstlerin – auf einer wahrlich einsamen Insel im Archipel. Die Abgeschiedenheit machte aber beiden kreativen Frauen nichts aus. Sie konnten sich und ihren Ideen hingeben. Ob die Abgeschiedenheit ein Grund war, dass sie eine gleichgeschlechtliche Beziehung hatte blieb jedoch an dieser Stelle offen und ist auch völlig egal. Das was Tove Jansson geschaffen hat wird bleiben und in dieser einen Stunde im Pavillon haben die Mumins freudig getanzt – so lebendig war sie wieder. FINNLAND. GLÜCK.

FINNLAND. BY.

Wo wir schon bei Comics für Kinder und Erwachsene sind, machen wir gleich weiter mit dem Rondell FINNLAND. BY. Dort präsentierte Finnland seine interaktive Ausstellung mit schwedischsprachigen Künstlern, Illustratoren und Animatoren, die das Kinderbuch mit seinen bunten Figuren erlebbar machten. By heißt auf schwedisch bekanntlich “Dorf” und so war dieser Pavillon-Teil durchaus ein kleines Dorf mit tollen Monster und Figuren und lebendigen Geschichten. FINNLAND. PHANTASIE.

BIST DU FINNE?

Wenn man auf der Buchmesse Finnland doch als ein sehr modernes und weltoffenes Land kennengelernt hat, so stellt sich doch die Frage: Was zeichnet die finnische Kultur aus? Wie multikulti ist das Land im hohen Norden wirklich?


Die Studenten Susanne Steiner, Sina Nobbe, Denny Sturm, Eva Nunnemann  und Karoline Bauch haben zusammen mit Ihrer Dozentin Sanna Grund (Universität Bielefeld) multikulturelle Werke aus Finnland übersetzt. Sie lasen aus Geschichten von Einwanderern, aber auch von Finnen die sich in der falschen Nationalität geboren fühlten und lieber Schweden sein wollten. Die Geschichten waren mal nachdenklich, mal lustig, doch eins wurde aus den Ausschnitten klar: Finnland ist multikulturell – von sich aus mit Sami, Schweden und Finnen, aber auch mit Zuwanderern die von weiter weg das Gute suchten. Sie alle sind offizielle Finnen; haben zum Teil ganz finnische Namen. Manchmal aber kollidieren die Kulturen zu sehr mit einander. Die schöne heile Welt, die man oft im Norden vermutet, wurde hier jedoch wiederlegt. Aus der Studentengruppe entstanden etliche Übersetzungen für das Lesebuch Invasion Paradies, die sich alle mit diesem Thema auseinander gesetzt haben. FINNLAND. BUNT.

DESIGN HAPPY HOUR

Zum Abschluss noch ein bisschen Design. Klar, dass das nicht fehlen darf, wenn es um Finnland geht. Während sich Sofie Oksanen sich im Medienlicht auf der Finnland. Stage. sonnt, geht auf der Cafe. Stage. das richtige Finnland weiter. 

Jussi Karjalainen und Willem Heeffer sind zwei Designer und sie besuchten die Messe mit ihrer Installation “Bread of Word”. Der finnische Grafikdesigner und der niederländische Interiör- und Produktdesigner (beide wohnhaft in Helsinki) haben 196 einzigartig gestaltete Teller mitgebracht. Jeder von ihnen ist mit einem Zitat aus einem finnischen Buch versehen. Mutmacher-Sprüche, nachdenkliche Zeilen und lustige Aufforderungen. Nachdem die Teller gehängt waren und das gesamte Makro-Motiv zeigten wurde jeder Teller mit einer Scheibe Butterbrot an die Besucher verteilt. “Nahrung für den Körper und den Geist” wird der langen Schlange Anstehender erklärt. Das Brot hat Jussi extra aus Finnland mitgebracht (naja in Deutschland gibt’s ja eigentlich auch gutes Brot) – echtes finnisches Roggenbrot mit (irischer) Butter. Dies war in der Tat ein sehr gelungener Abschluss. Das schöne war auch, dass man den Teller mit dem eigenen Zitat mit nach Hause nehmen durfte. Ein tolles Unikat auf Teema-Geschirr. FINNLAND. KREATIV.

Der Finnland-Pavillon zeigt, dass zum einen die nordische Nation ein wahres Volk der Leseratten ist, aber auch, dass das Lesen und Bücher nicht bei den Buchdeckeln aufhört. Bücher und Kunst, Bücher und Illustration, Bücher und Gedanken, Bücher und Kulturen…. Das alles gehört zusammen. Die Präsentation des Gastlandes war so finnisch wie man es erwarten musste. Denn es ist klar, dass Finnland zeigt was es kann. Man denkt dort selten in Sparten, eher verknüpfen sich die Bereiche – vernetzen sich und bilden ein großes Ganzes. 

FINNLAND. COOL. 
SUOMI. LOISTAVAA.

Kategorie Blogarchiv, Dies & Das, Kunst & Design

In meinem Herzen schlägt eine Leidenschaft, die mich seit meinen Teenager-Tagen nicht mehr los lässt: FINNLAND. Eher ist es in all den Jahren schlimmer geworden und die Vermutung „das verwächst sich“ oder „es ist nur eine Phase“ lässt sich auch nicht mehr anbringen. Also blogge ich mir nun das Finnweh von der Seele und hoffe auf amüsierte und interessierte Leser.

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2 Kommentare

    • Ja, das war ein so herrlicher Tag vor Ort. Leider konnte ich nicht mehrere Tage nach Frankfurt, aber meinen alten Artikel wieder zu lesen, bringt schöne Erinnerungen zurück.

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