Interview: The Birds of Passage

Seid Donnerstag ist Deutschland um eine finnische Veröffentlichung reicher und zwar bringen die Helsinkier The Birds of Passage ihr Album „Ruska“ bei uns auf den Markt. Aber nicht nur, dass die Indie-Folk-Band hier ihr Debüt feiert, auch ihr Label IceWillMelt aus Darmstadt feiert mit dem Longplayer offiziell seinen Einstand in der hiesigen Musikszene.

Wer sich nun aber denkt, was man wohl mit einem so herbstlich anmutendem Cover im Frühling will, dem wird das Interview zum Release Aufschluss geben. Die beiden Halbfinnen, die seit längerem aber schon in Helsinki leben (Patrik ist finnisch-schwedisch und Tanja ist finnisch-amerikanisch), überzeugen auf „Ruska“ mit einer wunderschönen Mischung aus Indie und Folk und plaudern über ihr erstes Treffen, Wurzeln und Kommendes

The Birds of Passage im Gespräch

Euer Bandname „The Birds of Passage“ gibt schon einen Hinweis auf die Geschichte wie ihr euch kennengelernt habt. Wie und wann ist das passiert?

Tanja: Wir trafen uns im Nachtbus im Winter 2013. Wir waren beide ziemlich betrunken und auf dem Heimweg von unterschiedlichen Partys. Meine Freundin und ich haben gerade darüber geredet, wie gut wir diese Nacht schlafen würden. Zu meiner Rechten bemerkte ich einen Typ mit schwarzen Hut und ich flüsterte zu meiner Freundin: „Ich mag seinen Hut.“ Sie tippte ihm auf die Schulter und rief „Schläfst du heute Nacht gut?“. Patrik drehte sich zu ihr und antwortete „Yeah, ich schlafe ziemlich gut.“ Dann gab ich ihm meine Telefonnummer auf einem alten Kassenzettel.

Wie seid ihr dann auf den Namen gekommen, er ist doch bestimmt verknüpft mit eurem ersten Treffen, oder?

Tanja: Patrik rief mich an einem sonnigen Nachmittag an und erzählte mir, dass er sich Gedanken zum Namen „The Birds of Passage“ gemacht hat. Wir waren auch beide gleich irgendwie begeistert, da ja die metaphorische Bedeutung von „Birds of Passage“ im Englischen eine Person symbolisiert, die an keinem Ort lange verweilt. Sowohl Patrik als auch ich sind sehr früh von zu Hause ausgezogen und fühlen uns daher immer ein bisschen wie Fremde wo wir hingehen.

Hattet ihr beide vorher schon mit Musik etwas am Hut und habt oder hattet ihr andere Bands und Soloprojekte?

Tanja: Ich wuchs in einer sehr musikalischen Familie auf. Meine Mutter gab Klavieruntericht als ich klein war. In den Erinnerungen meiner Kindheit spielt meine Mutter Klavier und mein Vater singt Hits aus den 80ern und 90ern. Mein Vater spielt gelegentlich Gitarre und schrieb auch eigene Songs. Er versuchte mir das Gitarre spielen mit 10 Jahren beizubringen, aber wir waren beide zu ungeduldig, aber später hat es dann doch noch geklappt. Mit 17 habe ich es nämlich dann doch noch gelernt als ich nach Finnland zog. Damals habe ich im Musikunterricht an der Schule angefangen und mein amerikanischer Musiklehrer zeigte uns ein paar einfache Akkorde. Zum ersten Weihnachten in Finnland schenkte mir meine Mutter dann eine Gitarre und so blieb ich am Ball. Jedenfalls, ich habe noch kleine Soloprojekte mit Garage-Bands angefangen und poste das – eigentlich bis heute – immer noch auf SoundCloud.

Patrik: Meine Mutter liebte es Karaoke zu singen und mein Vater mochte Oasis und Heart – das ist es eigentlich auch schon. Naja ok… Mein Bruder hat mich dazu inspiriert Gitarre zu lernen, nachdem er mir ein paar Akkorde gezeigt hat. Meine Familie väterlicherseits hat sich zusammengetan, um Geld für einen Verstärker und eine E-Gitarre zu sammeln. Es gab einen Kerl bei uns im Wohnblock namens Alan. Er war Bosnier und in seinen Mittdreißigern  und spielte in einer Rockband. Er sah ein bisschen aus wie John Cusack im Film „High Fidelity“. Eines Tages hielt ihn meine Mutter an als er auf dem Nachhauseweg war und bot ihm 100 Kronen pro Stunde, wenn er mir Gitarrenuntericht gäbe und ein paar Lieder lernen würde. Er willigte ein und zeigte mir ein paar Classic Rock Songs und unterrichtete mich für ein Jahr. Da fing eigentlich alles an.

In Bezug auf den zweiten Teil deiner Frage: Ich langweile mich schnell und bin irgendwie ruhelos; habe hunderte Ichs, die ich in musikalischer Hinsicht kreieren will. Außerdem habe ich mich schon daran versucht alle möglichen Arten von Musik zu schreiben, außer vielleicht Raggae. Letztendlich landete ich bei vier verschiedenen Bands bzw. Projekten. On top natürlich The Birds of Passage. Dann habe ich eine Progressive Rock-Band namens „Koi“; eine Indie Pop-Band genannt „Good Omens“ und ein Soloprojekt, wo ich Nick Drake-mäßige Sachen schreibe.

Welche Art von Musik inspiriert euch denn oder hat euch vielleicht zusammengebracht?

Tanja: Mein erster Singer/Songwriter-Einfluss war William Fitzsimmons und ich war beeindruckt bei seiner Einfachheit und seine vollendete Art einen gewissen Ton in meine Herzen zu treffen jedes Mal wenn ich seine Musik höre. Andere Einflüsse sind City and Colour, José González, Daughter, Tracy Chapman, Ben Howard, Amos Lee, Bon Iver, Glen Hansard und Sigur Ros.

Partrik: Das erste Album, dass mich wirklich beeinflusst hat, war „the Black Album von Metallica. Ich habe es von meiner Mom in den späten 1990ern geschenkt bekommen. I denke, sie hat mitbekommen, wie ich sie heimlich angehimmelt habe, als die Platte bei meinem Bruder Pasi über die Lautsprecher seiner Stereoanlage dröhnte. Dannach war es ein verrückter Mix von „ernsthaft“ inspirierenden scheiben, solche wie „Pink Moon“ von Nick Drake, „Kid A“ von Radiohead, „Greace“ von Jeff Buckley, „Figure 8“ von Elliott Smitt, „Illois von Sufjan Stevens, „The Joshua Tree“ von U2 und last but not least „Collaps Into Now“ von R.E.M.

Wie seid ihr auf die Idee für das neue Album „Ruska“ gekommen? Was heißt „Ruska“ und was ist Thema der Song und woher kam die Inspiration?

Tanja: Da Patrik und ich ein Jahr mit einander gegangen sind, haben wir die Song und Melodien auf unserem gemeinsamen Weg gesammelt und am Ende unserer Beziehung haben wir uns dafür entschieden alles in das Album „Ruska“ zu packen. Das Album ist unsere Geschichte und die Inspiration kam buchstäblich aus dem was zwischen uns war – pures „Patrik und ich“. Wir haben uns damals unsere eigene kreative Welt geschaffen. „Ruska“, das bedeutet eigentlich „die Farben des Herbstes“. Wir haben es irgendwie immer als „Herbstalbum“ gesehen, …

Auf dem neuen Album singt und spielt ihr beide Instrumente. Habt ihr die Lieder auch miteinander geschrieben, oder hat jeder eine Art Aufgabe übernommen?

Tanja: Wir haben die Lieder gemeinsam erarbeitet, damit sie das werden konnten was sie jetzt sind. Allerdings wurden die Songs ganz am Anfang von einem von uns individuell kreiert. Aber wir haben keine Jobteilung, jeder kommt einfach mit Ideen und wir setzen uns dann zusammen, um den Song zu entwickeln, so dass dann die Essenz aus unser beider musikalischer Köpfe kommt.

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Was war denn der bis jetzt spannendste oder aufregendste Moment mit der Band?

Tanja: Höchst wahrscheinlich unser erster Gig, den wir in einem Buchladen namens Arkadia hatten. Dieser is ganz verborgen im Stadtzentrum und Patrik und ich haben nicht unbedingt viele Menschen bei der Show erwartet, da es ja unser aller erster Auftritt war. Aber wer hätte das gedacht, der Laden war gestopft voll mit duzenden Freunden und Familienmitgliedern, so wie Fremden. Als wir auf die Bühne traten haben wir uns schockiert angeblickt,… vielleicht war da sogar pure Angst: „Wie hat es unsere Musik geschafft, so viele Menschen anzulocken?“

Und es ist auch sehr spannend, dass ihr jetzt ein deutsches Label habt: IceWillMelt Records. Wie kam es denn dazu, dass ihr hier in Deutschland veröffentlichen könnt?

Tanja: Wir sind auch sehr aufgeregt, dass wir jetzt ein deutsches Plattenlabel haben und unsere Musik in Deutschland veröffentlichen können. Patriks Band „Good Omens“ hat ein deutsches Label und unsere momentane Labelchefin ist auf „The birds of passage“ durch die Band aufmerksam geworden.

Sind denn auch Konzerte in Deutschland geplant? Wollt ihr denn hier herkommen, da ja jetzt euer Album hier veröffentlicht wurde?

Tanja: Leider sind noch keine Auftritte in Deutschland geplant, Aber sobald wir die Möglichkeit bekommen, würden wir gerne dort spielen. Berlin ist eine unserer Lieblingsstädte. Ich glaube, wir träumen beide davon, dass wir unsere Musik eines Tages in einem Berlinerischen dubiosen, dunstigen Untergrund-Pub spielen.

Was sind denn die nächsten Schritte für „The Birds of Passage“ oder welche Wünsche habt ihr für die Band?

Tanja: Im Moment fokusieren wir uns auf das schreiben der Musik für das nächste Album. Wir haben auch schon ein paar Songs und wir planen das auszubauen an dem wir arbeiten. Wir überlegen auch, ob wir noch mehr Instrumente dazu nehmen sollten, aber wir kamen zu dem Entschluss, aber wir mögen die Intimität unserer Musik, wenn da ein eher minimalistischer Ansatz ist lieber.

Vielen Dank Tanja und Patrik für das ausführliche Gespräch. Hoffentlich kommt ihr bald hierher und begeistert uns mit euren Liedern.

Wer nun wissen will, wie sich die Musik von Tanja und Patrik anhört, dem empfehle ich zum reinhören die SoundCloud-Songs oder eben „Ruska“ (eine Besprechung findet ihr auch hier auf dem Blog)

Kategorie Musik

In meinem Herzen schlägt eine Leidenschaft, die mich seit meinen Teenager-Tagen nicht mehr los lässt: FINNLAND. Eher ist es in all den Jahren schlimmer geworden und die Vermutung "das verwächst sich" oder "es ist nur eine Phase" lässt sich auch nicht mehr anbringen. Also blogge ich mir nun das Finnweh von der Seele und hoffe auf amüsierte und interessierte Leser. Buy Me a Coffee

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