Pääsiäissauna: An Ostern schwitzen

In Finnland gibt es keine Regeln in und um die Sauna herum. Die pflichtbewussten Finnen hätten beim betreten einer deutschen Sauna viel zu viel Unbehagen, denn sie müssen befürchten bereits dann schon sämtliche Regeln zu brechen. Genauso wenig gehen Finnen nur im Winter in die Sauna. Man geht einfach immer dann, wenn man Lust hat, so lange und so oft man will und eben wie man will.

Im großen und Ganzen halte ich das genauso. Drehe weder eine Sanduhr um, noch gehe ich immer genau drei Mal hinein. Weder mache ich exakt 15 Minuten Pause, noch gebe ich mich den empfohlenen Zwischenaktivitäten hin. Eher höre ich Musik während dessen und trinke ab und an auch mal ein kühles Getränk da drin.

Eine – naja nicht gerade Regel aber – Tradition haben die Finnen dann doch. An jedem Feiertag oder zu besonderen Anlässen, wobei da der Radius auch variabel ist, wird in die Sauna gegangen. Weihnachten und Juhannus ja sowieso, am Namenstag der Frau oder wenn ein alter Schulfreund zu Besuch ist. Auch gerne mal, wenn jemand ein Kind bekommen hat (natürlich nicht die Dame selbst, sondern das freudige Umfeld) oder wenn jemand gestorben ist. Die Sauna ist und bleibt ein Bestandteil des finnische Lebens.

Ich – für meinen Teil – hab das pflichtbewusst adaptiert und dachte, dass da Ostern auch ein guter Anlass sein könnte. Und weil sich das Wetter noch nicht ganz vom Winter trennen mag, fand ich einen Frühlings-Saunagang recht passend: Den Winter aus den Poren schwitzen und schön entspannen. Frühlingsfrisch – so zu sagen! Das komplette Programm! Geben wir dem Kind noch einen Namen: Pääsiäissauna – Ostersauna… und schon klingt das so, als würden wir das jedes Jahr so machen.

Sauna vorbereiten!

Vor dem heizen erst mal dem Sauna Tonttu „Hallo“ sagen. Damit der zufrieden ist und sich geschätzt fühlt. Dann Aufguss-Eimer nehmen, Türe schließen und Steuerung anschalten! Achtzig fesche Grad war meine Wahl. Wir bleiben im gewohnten Bereich, denn es soll ja entspannt werden. Handtücher parat legen. Den Eimer mit Wasser auffüllen und dann kommt auch schon der nächste heikle Schritt:

Aufguss aussuchen!

Saunaaufguss: Terva & KoivuDank zahlreicher Geburtstags- und sonstiger Geschenken von Freunden und Verwandten habe ich zum Glück eine große Auswahl an Düften für den Aufgussbottich. Doch „Slibowitz“ und „Auszeit Pur“ war mir dann in dem Moment doch zu experimentierfreudig und exotisch, so kamen in die engere Auswahl „Finnischer Winter“, „Birke“ und „Teer“. Doch auch der finnische Winter-Duft war ja irgendwie unpassend für mein Vorhaben. Also wurde es klassisch: Birke mit Terva! Birke riecht ziemlich angenehm und wer das riecht fühlt ich an den Duft der Sauna-Vasta erinnert. Terva – also Teer – dagegen ist ein eher schwerer Duft. Trotzdem ist er fast der Ur-Duft der Sauna, denn er erinnert in der heutigen Elektro-Ofen-Zeit an den Ursprung der Sauna, die mit Feuer und Rauch beheitzt wurde. Der Teer ist im übrigen kein gewöhnlicher Straßenasphalt. Der Teer-Aufguss wird aus Torfteer oder Birkenteer gewonnen. Bekannt sind ja auch die finnischen Teershampoos. Unbedingt mal ausprobieren, die Haare werden schön weich. Allerdings ist der Duft des Shampoos etwas gewöhnungsbedürftig.

Wellness in der Sauna!

IMG_1920_Edit IMG_1917_editGanz unfinnisch ist ja mittlerweile die Sauna auch zum Wellnessobjekt geworden. Das habt die finnische Kultur aber selbst zu verschulden. Schließlich waren die Saunavasta oder -vihta auch dazu da, die Haut zu reinigen und gut zu durchbluten. Weil ich keinen Quast da hatte, entschied ich mich für ein Bodyscrub mit Honig und Jojoba. Das steht eigentlich immer bereit, denn sobald man gut naß vom Schwitzen ist, prickelt es herrlich auf der Haut, wenn man sich damit einreibt. Natürlich das Salz nicht in die Augen bringen und auch nicht auf frisch rasierte Haut geben. Am besten kurz vor Ende des Saunagangs benutzen, sollte es zu arg bitzeln, kann man schnell raus und abwaschen. Wer nicht auf so etwas steht, für den tut es auch die gute alte Rückenbürste. Sie wirkt ähnlich wie der Birkenquast, entfernt alte Hautschuppen und fördert die Durchblutung. Ziel ist es in jedem Fall eine tolle weiche Haut nach dem Saunieren zu bekommen. Porentiefrein wird sie alle mal durch die Hitze und den Schweiz, der die Poren reinigt. …und darauf kommt es ja in diesem Falle auch an.

Wohlfühlfaktor

Saunieren kann man nicht mal eben schnell so neben bei wie Duschen gehen. Wer regelmäßig schwitzen geht, der kann auch bei kurzen Aufenthalten im Holzkästchen abschalten, weil er es so gewohnt ist. Für ungeübtere Saunagänger ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen. Oder man tut dies ganz bewusst und nimmt sich gerne die Zeit – wie eben ich in diesem Fall. Das Handy am besten auch ausschalten. Finnen sind in der Sauna ganz für sich mit ihren Gedanken. Mir persönlich ist oft die Stille ein bisschen zu fad und deshalb mach ich mir leise Musik an. Natürlich kein Heavy Metal. Eher etwas Ruhiges. Am besten jedoch in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Wenn ihr in der Sauna mit anderen seid empfehle ich euch das Gespräch auf ein Minimum zu beschränken, der Saunatonttu mag es nicht wenn in der Sauna laut geredet oder gar gestritten wird. Den Gedanken freien Lauf lassen ist da wohl die ideale Lösung.

Oft höre ich von Menschen, sie können nicht wegen der Hitze in die Sauna. Ich vermute, das Problem ist eher, dass sie sich zu sehr auf die Hitze konzentrieren. Eine Sauna muss nicht immer 80-90 Grad haben. Man kann auch bei lockeren Temperaturen um die 60 Grad beginnen. Durch die Aufgüsse kommen dann immer wieder heiße Schübe, die gut tun. Das ganz ist natürlich auch Tagesform abhängig.

Ab in die Sauna!

Ab in die Wärme!

Während der Vorbereitungen so ca. nach 30-45 Minuten sollte die Sauna schon heiß sein. Als gut Abduschen und dann Handtuch schnappen und rein setzen. Immer schön auf darauf achten, dass alle Körperteile auf einem Handtuch aufliegen und nicht direkt auf dem Holz sind. Schweißflecken bekommt man nicht mehr so einfach weg und außerdem wollen ja auch andere die Sauna benutzen. Nicht vergessen, jeder darf raus und rein gehen wie er will. Nur nicht während ein Aufguss wirkt (außer es ist wirklich unaushaltbar). Wer den Aufguss gemacht hat, der muss als letzter die Sauna verlassen. 😉

Ich wünsche euch eine schöne Frühlingszeit und ein tolle Ostertage! Vielleicht hab ihr ja jetzt auch Lust porenfrisch in den Lenz zu starten. Ich kann es nur empfehlen! Oder habt ihr vielleicht ganz eigene Sauna-Rituale? Und wisst ihr welche fünf Dinge, die Sauna für mich richtig finnisch machen?



Kategorie Land & Leute

In meinem Herzen schlägt eine Leidenschaft, die mich seit meinen Teenager-Tagen nicht mehr los lässt: FINNLAND. Eher ist es in all den Jahren schlimmer geworden und die Vermutung „das verwächst sich“ oder „es ist nur eine Phase“ lässt sich auch nicht mehr anbringen. Also blogge ich mir nun das Finnweh von der Seele und hoffe auf amüsierte und interessierte Leser.

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4 Kommentare

  1. Pingback: 5 Dinge, die deine Sauna finnisch machen! » finnweh!

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  3. Hey Tine,

    Zu jedem Anlass in die Sauna klingt doch verdammt nett. Warum denn nur an Ostern? 😀

    Dass die Finnen auch Würstchen in der Sauna grillen ist absolut nichts Ungewöhnliches. Mich wundert es sogar, dass darin kein Heavy Metal gespielt wird 😀

    Schöner Artikel und tolle Webseite!

    LG
    Arthur

    • Hallo Arthur,
      lieben Dank! =)

      Ja klar! Nicht nur an Ostern geht man in die Sauna, aber da ist es nicht so „offiziell“. Weihnachten und Juhannus sind natürlich die großen Feiertage, wo man unbedingt gehen muss… im Sommer geht die Zahl der pro Kopf Saunabesuche exponentiell nach oben (rund um Juhannus)! =D

      Klar Saunamakkara ist das Beste, haste ja schon erfahren und Musik in der Sauna ist je nach Gusto auch möglich =)

      In Finnland gibts ja eh keine Regeln…. alles ist erlaubt! =) Außer den Saunatonttu ärgern. 😉

      LG Tine

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