Wie einer auszog, ein Eishotel zu bauen…

Das gesamte Interview erschien ursprünglich bei www.noerdhaeftii.de

Er ist Architekt, stammt aus Italien und lebt in Norwegen. Das alleine ist ja nichts besonderes, aber seine Arbeitsmaterialien sind nicht nur Beton, Stein und Holz sondern Eis und Schnee. Luca Roncoroni baut mit Leidenschaft und Begeisterung Eishotels im hohen Norden Europas. Sein Begeisterung für das „coole“ Material bringt ihn mittlerweile um die ganze Welt. Eigentlich witzig, dass ich Luca bei einer Vortragsreihe über nachhaltiges Design kennen lernen durfte, wo Schnee und Eis doch so vergänglich sind. Lest also hier unser Interview über seinen Weg zu Eis und Schnee und wie es ihn einfach nicht mehr losgelassen hat.

Es ist nicht gerade üblich, dass ein Italiener eine so nahe Verbindung zu Eis und Schnee hat. Wie kam es dazu, dass du in Norwegen gelandet und geblieben bist?

Luca: Ich komme aus Norditalien und meine beiden Eltern hatte schon immer eine enge Verbindung zu den Bergen. Schnee war eigentlich schon immer eine große Leidenschaft… allerdings der Schnee unter meinen Brettern. Zuerst kam ich mit dem Erasmus-Programm nach Norwegen. Das war ein Traum von mir.
Während meines zweiten Aufenthalts habe ich an einem Land-Art-Seminar in Finse teilgenommen und meine ersten Schneeskulpturen gebaut. Die Landschaft ist so unglaublich dort –  eine überwältigende Erfahrung. Ich folgte meiner Neugier und suchte mir einen Job im Icehotel in Schweden, wo ich dann 2001 zum ersten mal war. Ich lernte von den Besten des Geschäfts und bekam Inspirationen und Ideen von Künstlern und Designern aus der ganzen Welt.

Du warst auch in Sami-Orten in Lappland, oder?

Luca: Die Projekte in Lappland waren besonders interessant. Nicht nur wegen der Landschaft und des Lichtes, besonders auch wegen der starken Sami-Kultur und ihrer tiefen Verbindung zu Schnee.

Was ist deine liebste Sorte Schnee oder Eis? Ist das Material hauptsächlich natürlich „gewachsen“?

Luca: Definitiv natürliches Eis! Es ist „lebendiger“ mit Rissen und Luftblasen, die während des gefrieren eingeschlossen wurden, vielleicht auch Blätter oder kleine Insekten.
Die Risse brechen das Licht wie ein Prisma und erschaffen Effekte, die man niemals so formen könnte. Das ist der zusätzliche Nutzen und ein Element, dass jedes Projekt zusätzlich noch mehr einzigartig macht. Natürliches Eis kann in größeren Blöcken geernten werden, was natürlich mehr Möglichkeiten bietet um Projekte zu realisieren.

Welche Werkzeuge benutzt du und was ist besonders an ihnen? Schnee ist doch ein so leichtes Material, kannst du da nicht einfach einen Löffel nehmen?

Luca: Werkzeuge können variieren von großen Traktoren oder Maschinen bis hin zum kleinsten Meißel und Schnitzwerkzeugen. Es kommt darauf an welche Arbeit erledigt werden soll.
Am Wichtigsten ist, dass man verschiedene Werkzeuge für Eis und Schnee hat, weil die beiden Materialie haben unterschiedliche Eigenschaften und Zusammensetzungen: Wenn man einen Eis-Meißel für den Schnee benutzt wird die Schneide schnell stumpf und wird dann das Eis nicht mehr so gut schneiden können.
Wie du schon sagst, das Arbeiten mit Schnee erlaubt es auch ganz einfache Werkzeuge zu benutzen, auch einen Löffel, und das ist wirklich witzig: Du musst für jedes Projekt neue Werkzeuge finden! Oft sind die Werkzeuge nämlich selbst gemacht für die jeweiligen Projekte, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Darum haben sehr erfahrene Eisschnitzer eine große Auswahl an Werkzeugen, die sie über die Jahre hinweg entwickelt haben.

Wie viel Zeit brauchst du denn, um so ein „Schneehaus“ zu bauen und wie lange hält es dann?

Luca: Einen Tag oder drei Monate. Manchmal mache ich die Arbeite alleine und manchmal hat man ein Team von 50 Mitarbeitern. Die größeren Projekte (zum Beispiel das Eishotel) kann man rund vier Monate benutzen und bewohnen, während man Installationen oder Events schon nach ein paar Stunden wieder einreißt.

Tut es dir nicht Leid, dass die Gebäude nur für eine Saison halten und dann anfangen zu schmelzen?

Luca: Ich denke, dass ist einer der faszinierendsten Aspekte meiner Arbeit: Die Projekte verändern sich, leben, und es macht Freude zu sehen wie sie sich transformieren bis sie komplett verschwunden sind. Es ist interessant zu sehen, wie die „gewöhnlichen Machtverhältnisse“ sich umkehren: Der Designer hat keine macht über das Objekt. Wir können es nicht vor der Veränderung bewahren und wir können nicht voraussehen wie sich das Objekt verändern wird. Das Projekt bzw Objekt hat die Macht also in den „eigenen Händen“.

Woher kommt deine Faszination und Motivation für Schnee und Eis immer noch her?

Luca: Ich arbeite ja nur mit natürlichem Eis und das bedeutet, dass das Material nie ist wie das zuvor und das wiederum bedeutet, dass die Variablen unendlich sind. Darum wird es eigentlich nie langweilig. Ein Aspekt ist auch die natürlichen Umstände und die Landschaft in der wir normalerweise arbeiten: Der skandinavische Winter und das blaue Licht sind unglaubliche „Partner“ mit denen man arbeiten kann und das Eis gibt sein Bestes in dieser Umgebung.

Du hast gesagt du arbeitest auch mal im Team. Gibt es dann eine Art „Ice-Builder“-Szene?

Luca: Es gibt sicherlich eine „Szene“, aber sie ist nicht sehr groß… zumindest nicht in der Art wie ich Eis und Schnee benutze, was bedeutet, dass ich zweckmäßige und einzigartig physikalische Erlebnisse schaffe. Etwa Räume, Installationen, Set-Designs, Gebäude, Stände oder Skulpturen. Es gibt eine weitere „Eis-Szene“, die parallel dazu existiert. Es geht um Ice-Carving-Wettbewerbe: Da gibt es viel mehr Veranstaltungsorte und Künstler, aber es ist ein anderer Ansatz. Sehr viel mehr figurativ und auch oft auch von Jurys bewertet. Es werden Themen vorgegeben und das Endprodukt ist reine Dekoration – kein Erlebnis in einem größeren Kontext.

Dein neuestes Projekt hat in Kanada stattgefunden. Was war die Idee hinter dem gigantischen Fisch?

Luca: Das stimmt. Wir waren in Winnipeg Ende Januar (das ist auch bekannt als Winterpeg, weil es dort oft sehr kalte Winter gibt) und wir haben dort eine Geschichte gebaut, wo der Fisch das große Finale ist. Es ist eine Geschichte über Eric, der ein sehr begeisterter Angler ist. Außerdem ist er sehr bekannt für seine Anglergeschichten über die riesen Fische, die er am Haken hatte und die ihm immer entwischt sind. 
Aber Eric kann nun doch endlich seinen großen Fang der ganzen Stadt zeigen: Ein riesiger Eisfisch hüpft aus dem gefrorenen Fluß.
Zusätzlich zur Eisskulptur haben wir eine große Angelrute über den Fluß gehängt. Ein großer, bunter Köder hängt am Haken. Dort ist auch Erics Stuhl und seine Anglerausrüstung und natürlich seine Thermoskanne mit Kaffee darf auch nicht fehlen, den er während er wartet trinkt. Die Besuchen können also auch Erics Anglerplätzchen erleben und natürlich auch den großen Fang.

Was war das lustigste oder verrückteste was jemals während eines Projektes passiert ist?

Luca: Es war lustig und auch neu für mich, als im November 2014 ein Rentier nach dem Rechten schaute während unserer Arbeit in Kautokeino. 

Das Interview mit Luca war super spannend! Eine faszinierende Begegnung mit einem Menschen, der vor Begeisterung strahlt und richtig ansteckt. Und erinnert daran, dass man auch einfach mal das tun sollte, was man mit Passion machen will. Im übrigen ist Eis und Schnee wohl das nachhaltigste Baumaterial, das es gibt. Denn es belastet die Umwelt überhaupt nicht. 

Infos zum Icehotel in Jukkasjärvi (ist in schwedisch Lappland auch wenn der Name finnisch klingt) und auf für die Sami-IceAdventure in Kautokeino im norwegischen Teil Lapplands möchte ich euch nicht vorenthalten. Klick!

6 Kommentare

  1. Toller Artikel – aber irgenwie ist mir beim Lesen doch kalt geworden. Vielleicht hätte ich mir nicht vorstellen sollen, wie ich in so einem Eishaus sitze. 🙂

    • Hallo Conny,

      das war nicht meine Absicht. Aber hier ist es gerade ja auch total eisig. Vielleicht hilft ein heißer Tee? Aber ich glaube, es ist gar nicht soo eisig in den Räumen. =)

  2. Ich mag ja kühle, frische Luft beim Schlafen, aber dort würde ich dann doch nicht übernachten wollen 😀 Wirklich klasse, der Typ da geschaffen hat! Und ein großartiger Artikel dazu von dir 😉

    Dankeschön
    Liebe Grüße > sara

    • Hei Sara,
      danke für die lieben Worte! =D
      Ich meine mich zu erinnern, dass er erwähnte, dass es innen tatsächlich nicht all zu kalt ist. Aber klar schon um die Null Grad. Man schläft aber in warmen, muckeligen Betten und muss vielleicht auch die langen Unterhosen anziehen, hihi! =) Gut schlafen tut man dort aber bestimmt. Ein Erlebnis ist es alle mal.

      Vielen Dank, Tine

  3. Was für ein spannendes Hotel! Ein absolut zauberhafte Idee, da fühlt man sich bestimmt, als ob man in einer anderen Welt ist <3 Mir wäre es bestimmt nicht zu kalt, ich liebe sowieso den Winter <3 <3

    • Ja, ich glaube auch, dass es dort gar nicht so ungemütlich ist. Zauberhaft sehen schon alleine die Fotos aus.

Und was sagst du dazu?