Unzählige Male habe ich sie schon gestrickt. Jedes neu geborene Baby in meinem Umfeld hat welche bekommen, denn die Geschichte rund um die finnischen Zugsocken hat mich unheimlich bewegt. Eine Geschichte, die angesichts der geopolitischen Großwetterlage der letzten Jahre noch einmal mehr an Bedeutung gewonnen hat. Außerdem sind sie perfekte kleine Projekte für zwischen durch, Garnrestverwerter und einfach herzallerliebst.
Wie wichtig Wollsocken für die Finnen sind, wissen wir ja bereits, aber wie viel wichtiger die Socken für die Kleinsten sind, zeigt eine kleine Anekdote vom Ende des Zweiten Weltkrieges:

In den frühen 1940er Jahren wurde Kerttu Latvala mit ihrer zwei Monate alten Tochter Tuula aufgrund der anhaltenden Kämpfe des zweiten Weltkriegs evakuiert. Die Zugfahrt von Vaasa an der Westküste Finnlands verzögerte sich durch die Reparatur der von Bomben zerstörten Gleise. Eine Mitreisende, eine pensionierte Handarbeitslehrerin, tat das kleine Schuhlose Mädchen leid und sie trennte ihre weiße, handgestrickte Weste während der Wartezeit auf, um dem Kleinkind ein paar warme Socken zu stricken.
Diese originalen „Zugsocken“ (Junasukat) wurden von Terttu (der Schwester des Babys von damals) sicher aufbewahrt. Sie und ihre Mutter haben über die Jahre für jedes Baby im Bekanntenkreis ein paar warme Socken gestrickt, um an diese herzliche Begebenheit während der ganz außergewöhnlichen Zugfahrt zu erinnern. Daher stammt auch der Name.
Das Muster ist heute frei zugänglich und immer noch sehr beliebt in Finnland.





Zugsocken auf Deutsch
Seit einigen Jahren werden die Zugsocken auch immer beliebter in der deutschen Strickszene. Das ist sicherlich einer deutschen-finnischen „Strickbloggerin“ zu verdanken: Eeva Schleicher-Jauss – besser bekannt als „Oh, wie nordisch“ – hat sich dem Thema Zugsocken schon vor vielen Jahren gewidmet und das Strickmuster, das auf Ravelry kostenlos verfügbar ist, ins Deutsche übersetzt.

Aber nicht nur das: Ihre Zugsockenliebe geht sogar so weit, dass sie eine Version für größere Kinder ausgebrütet hat, denn das originale Strickmuster ist für Neugeborene bis ca. 1-Jährige Kinder geeignet. Es ist wirklich eine Freude, ihrer Begeisterung für diese kleinen Kunstwerke zuzusehen, und beweist ein tolles Gespür für Farbkombinationen, sogar mit pflanzengefärbten Garnen, die sie selbst hergestellt hat.
Für Eeva war die deutsche Übersetzung der Zugsocken-Strickanleitung sogar der Startschuss für ihre ganz besondere „zweite“ Karriere. Sie ist DIE Übersetzerin für finnische Strickmuster und hat schon viele Muster für Novita (finnischer Garnhersteller) & Co. übersetzt.
Meine fertigen Zugsocken
Tatsächlich müssen die Junasukat nicht mehr nur aus weißem Garn, wie das erste Paar gestrickt werden. Den Farben und Garnen sind keine Grenzen gesetzt. Ich liebe es zum Beispiel mit sich selbst streifenden Garnen zu arbeiten, da diese auf der kürzeren Runde ganz spannende andere Muster erzeugen. Mit dickerem Garn werden die Söckchen automatisch größer und auch für strenge Winter der passende Begleiter. Ideal sind natürlich Sockenwollen aus „fingering“-Qualität. Seid auf jeden Fall kreativ und lasst euch von diesem tollen Söcklein begeistern … warme Füßchen wärmen eben auch das Herz.






