Finnische Sommerpause: …alle fort!

Jetzt ist schon August und ich bin wieder aus der Versenkung  hervorgekrochen. Mir war es Anfangs nicht so bewusst, als ich nach meinen zwei Urlaubswochen um Juhannus, offensichtlich gar nicht mehr so recht in meinen gewohnten Rhythmus passten wollte. Aber im Grunde tun die Finnen nichts anderes und das ist auch gut so: Sie tauchen einfach mal ab, verlassen die Städte und laden ihre Akkus auf.

Mein ursprünglicher Plan war es, rund um Juhannus frei zu haben. Finnland besuchen, ausspannen, den Sommer genießen. Effektiv, typisch Deutsch, in zwei Wochen Urlaub. Nachdem ich allerdings wieder zurück war, wollte sich trotz Urlaubsende, nicht so wirklich der Alltag einstellen. Die Sommerhitze stand im Land und die Motivation, sich an die Tastatur zu setzen und zu schreiben, tendierte gegen Null. Um mich herum stellte sich der Sommer ein und mein Blog hier blieb verwaist. Als ich das bemerkte beschloss ich: „Ich mache jetzt richtig Sommerpause und genieße den Sommer!“

Schließlich kennt man das von Talkshows im Fernsehen, wenn Joko & Klaas und Anne Will durch sommerliche Lückenfüller ersetzt werden. Einen Lückenfüller brauche ich ja gar nicht erst und erfahrungsgemäß ist die Geschäftigkeit im Internet und im normalen Leben in den Sommermonaten eh total im Keller. Das berühmt-berüchtigte Sommerloch hat ja schon so manche Zeitungsente produziert und richtig los geht es eh erst wieder ab Ende August. Also mache ich das doch einfach wie die Finnen und verschwinde von der Bildfläche. Kreative Pausen sind ja immer gut und macht auch wirklich Sinn.

Also hab ich mich dem Sommer hingegeben. Und so schwebte ich von Wochenende zu Wochenende mit allerlei Sommerfeeling (trotz Arbeit). Juhannus, Geburtstag feiern mit Grillen und Feuerchen, Sommerhochzeiten, Lesung besuchen, kleine Ein-Tages-Festivals mit Picknick, mit Freunden eine schöne Zeit haben. Schon war der Juli um.

Na gut, ganz weg war ich ja nicht. Wer meinem Instagram-Account folgt (teilt sich aber auch automatisch auf Facebook und Twitter), der hat ja mitbekommen, dass ich auch in Sachen Finnland unterwegs war.

Kurz nach Juhannus in Finnland hielt Christian Gasser  im Botanischen Garten Erlangen bei wahrlich unfinnischen heißen Abendtemperaturen eine sehr schöne Lesung seines Romans „Rakkaus! (finnisch: Liebe)“.  So kam es, dass der Schweizer Autor nicht nur von seinen Figuren erzählte, sondern auch von seinen eigenen Eindrücken, die er als Ehemann einer Finnin so erlebte. Ein Phänomen, so wie er es beeindruckt nannte, seien auch die 6-8 Wochen die eine finnische Familie im Sommer auf dem Mökki verbringt. Diese Menschen schienen völlig von der Erde zu verschwinden und mutierten zu Ur-Wesen der Zivilisation. Anzugträger werfen sich in Tarnkleidung, um zu Angeln und Holz zu erlegen und die Frauen wuchsen zu Übermüttern, die den Kindern das Beerensammeln zeigten. So weit Christian Gassers Aussage – vielleicht etwas überspitzt – aber doch mit wahrem Kern und auf jedem Fall eine amüsante Vorstellung.

 

Doch bei mir kam der Gedanke auf, wieso das wohl so sein mag. Man begibt sich an einen Ort, wo man zur Ursprünglichkeit zurückkehrt. „Ich habe Feuer gemacht!“, spukt spontan durch den Kopf. Handy und Laptop sind obsolet, denn diese Dinger haben keinen Empfang und bringen einen auch kein Essen auf den Tisch. Vielleicht sind die Finnen nicht nur die Erfinder des Mobiltelefons und damit auch die Ursache der beginnenden Versklavung der modernen Gesellschaft, sonder sie haben auch schon den idealen „Ausgleichssport“ parat – seit Generationen gepflegt und in die Gene gepflanzt – verraten sie es aber kaum einem Menschen: die Sommerpause im Mökki. Man entspannt, schert sich um Nichts außer dem Hier und Jetzt. Eine perfekte Oase um dem Burnout zu entgehen und Kraft zu tanken. Welch Erkenntnis! Man kann diese Wochen im Jahr also nutzen, um den Kopf zu leeren und neuen Ideen und Zielen einen Raum zu geben. Perfekt. Man sollte doch wirklich versuchen, den Sommer so intensiv zu erleben, wie es nur geht. (Trotz elender Hitze, die ich nicht mag). Denn die Finnen und Nordmänner und -frauen wissen vermutlich besser als wir, dass der nächste dunkle Winter kommt und man noch lange von diesen schönen warmen Monaten zehren wird. So aufgeladen mit Energie wär es auch eher ein guter Zeitpunkt, um Vorsätze anzugehen – nicht etwa Neujahr. Jetzt, nach ca. sechs Wochen Abstinenz, hab ich wieder Lust und Ideen für mein Blog, Ziele für den Winter und das Frühjahr. Pläne und Wünsche, die ich erreichen will. Macht doch einfach nächstes Jahr auch eine finnische Sommerpause! 😉 Achtung! Achtung! Ich bin zurück! p.s.: Um meiner Ode an die finnische Sommerpause noch abzurunden möchte ich euch den schönen Dawanda-Shop „FINNMASCHE“ vorstellen. Uta aus Berlin strickt nämlich während sie in Finnland im Mökki weilt, aus finnischer Wolle wunderbare Socken für die kalten Tage. Wer also ein bisschen Finnland-Sommer in den Winter retten will, der sollte sich mit einem ihrer schönen Unikate eindecken.


 

Link zum Thema: The Essentials of (Summer) Cottages | visitFinland

Kategorie Land & Leute

In meinem Herzen schlägt eine Leidenschaft, die mich seit meinen Teenager-Tagen nicht mehr los lässt: FINNLAND. Eher ist es in all den Jahren schlimmer geworden und die Vermutung „das verwächst sich“ oder „es ist nur eine Phase“ lässt sich auch nicht mehr anbringen. Also blogge ich mir nun das Finnweh von der Seele und hoffe auf amüsierte und interessierte Leser.

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