Das Einhorn von Porvoo – Ein Stadtspaziergang

Porvoo liegt nur einen Katzensprung von der Hauptstadt Helsinki entfernt und bittet zum beschaulichen Stadtspaziergang ein. Besonders durch seine lieblichen und gleichermaßen bunt-fröhlichen Häuser wird selbst ein trüber Tag zu einem schönen Erlebnis. Und wenn man dann noch etwas genauer hinsieht, entdeckt man vielleicht auch noch ein ganz mystisches Wesen, dass in der Stadt wohnt. Kommt schon, los geht’s!

Obwohl es schon Ende April ist, ließ der Frühling noch lange auf sich warten. Eigentlich erinnerte die Stimmung bei der Anfahrt aus Helsinki an einen grauen Herbsttag. Doch schon als der Bus die Brücke hinein nach Porvoo passierte, begrüßten uns die auffallend roten Häuser am Porvoonjoki von weitem.

Historisches Flair in allen Gassen

Am Fluss beginnen wir unseren Stadtrundgang durch Finnlands zweit älteste Stadt und die Suche nach einer Sagengestalt, die sich hier wohl herumtreiben soll. Noch blicken wir vom rechten Flussufer hinüber auf die pittoreske alte Stadt mit ihren unzähligen hölzernen Häuser und Gebäuden. Süß und märchenhaft sieht es jetzt schon ein bisschen aus. Direkt vor uns die berühmte Ansicht der Salzspeicher, die am Ufer ausladend gebaut wurden und schon seit einer kleinen Ewigkeit dort zu residieren scheinen.

Während leise der Schnee rieselt, schlendern wir über die Brücke, die sich über den recht gemütlichen Strom biegt. Dabei tauchen wir in die kleinen, bezaubernden Gassen ein. Die historische Stadt ist auf einer Art Wall gebaut und erstreckt sich rund um den höchsten Punkt auf dem der Dom von Porvoo ganz stolz gen Himmel ragt.

Die Farbigkeit der Stadt macht selbst bei grauem Himmel Spaß. Kleine Boutiquen, Lädchen, Cafés und Bar sind heute in den alten Gebäuden eingezogen. Sie werden von den neuen Besitzern trotz hohen Auflagen mit viel Liebe zum Detail erhalten. Nach kurzem Flanieren entlang der Jokikatu, landen wir auf dem friedvoll daliegenden Platz vor dem alten Rathaus, das heute Stadtmuseum ist. Hier finden wir weniger Mythen als städtische Geschichte.

Sich auf altertümlichen Spuren in Finnland zu bewegen finde ich immer besonders spannend und wenn man genauer hinhört erzählen die alten Holzbalken der Häuser bestimmt eine kuriose Anekdote über seine einstigen Bewohner.


Travel Tipp: Old Town Bed & Breakfast Ida-Maria

Im Ida-Maria Bed & Breakfast kann man in einem sehr liebevoll restaurierten Haus der Porvooer Altstadt seine Unterkunft finden. Die Räume sind stilvoll und passend zu dem rustikalen Ambient der Stadt gestaltet.

www.idamaria.fi

„Euer perfektes Hotel – zum günstigsten Preis“ – Tripadvisor*


Beispiellos naschen

Nach dem streunen durch die engen, alten Gassen meldet sich der Hunger. Das Ziel ist das „Zum Beispiel“* – ja, genau, ein deutsches Wortspiel! Begeisterung macht sich nicht nur wegen der Namenswahl des modernen Restaurants breit, in der offenen Küche zaubern die Köche leckere leichte Gerichte mit lokalen Zutaten. Sehr trendig und hipp und sehr beliebt zum lounas – dem Mittagstisch, was wir gerne nutzen. Porvoo liegt so nah an der Ostsee und dem Archipel, dass man unbedingt ein Fischgericht testen sollte! Auch Vegetarier und Veganer kommen hier geschmackvoll auf ihre Kosten!

Mit aufgeladenen Akku und beseelt vom guten Essen geht es weiter auf den Kopfsteinplastern und schon gibt es den nächsten Laden der uns mit seiner Auslage in Beschlag nimmt. Es ist der kleine Shop der Brunberg Süßigkeiten-Farbik. Bekannt durch ihre Schaumküsse in allen Formen und Geschmäckern. Aber auch Lakritze, Fudges und allerlei anderer Süßkram findet sich in dem Laden. Jetzt eine Goldmünze aus Pippi Langstrumpfs Koffer haben und einfach mit Tüten voller Süßigkeiten rausgehen – das wär’s!

Das Einhorn im Dom

Nach dem Zucker-Boost steht nun noch der mittelalterliche Dom auf unserem Rundgang an. Er überblickt auf seinem Berg die Stadt und ist wie so oft in Finnland eine Kirche ohne Glockenturm. Der steht etwas extra auf dem Platz um das Gebäude. Von außen wirkt sie schlicht und auch im Inneren wirkt sie doch etwas nüchtern. Erbaut wurde der ehemalige Holzbau schon im 13. Jahrhundert, als Finnland zu Schweden gehörte und auch noch alles katholisch war. Als 1410 der Steinbau errichtet wurde weihte man sie der Jungfrau Maria. Kunst aus dieser Zeit findet sich noch immer in dem bei Hochzeitspaaren sehr beliebt alten Gemäuer – Auch Mika Häkkinen hat sich hier schon das Ja-Wort gegeben!

Der Blick schweift ehrfürchtig durch den Raum. Die Kuppel des Altarschiffs wirkt antik bemalt, vom Bogen schwebt ein gestiftetes Votivschiff herab. Gleich dahinter, unter Blicken von Zar Alexander I., ziert ein Einhorn den Pfeiler des Kirchenschiffs, der eine ganz kleine abgegriffene Stein-Madonna trägt.

Unerwartet ist diese Entdeckung schon – kennt man doch heute Einhörner von ganz anderen Auswüchsen auf Klopapier und Kindertapeten. Im katholischen Mittelalter galt das Einhorn als Symbol der Reinheit der Jungfrau Maria. Vielleicht ist das der Ursprung, warum es genau hier in diesem Dom fast schon profan an die Wand gezeichnet wurde, aber das bleibt doch wohl das mystische Geheimnis dieses Ortes.

Fazit: Der Spaziergang durch Porvoo zeigt nicht nur Historie des alten Finnlands sondern birgt auch kuriose Fabelfiguren in einerm Ort, wo man es heute nicht mehr vermuten würde. Das Städtchen ist das perfekte Ziel für einen Tagesausflug, wenn man auf Kurztrip in Helsinki ist. 

Seid ihr auch schon mal in Porvoo gewesen? Ist euch da auch das Einhorn begegnet? Was fandet ihr besonders spannend dort?

Großen Dank an Finnlines und Ute, sowie Visit Finland, die diesen SlowTravel-Trip organisiert und möglich gemacht haben.

 

8 Kommentare

  1. Wir waren Ende Juli, dank dem Tipp einer Kellnerin, in Porvoo und es hat uns sehr gut gefallen. Im Sommer waren die Strassen sehr belebt und wir genossen ein feines Aprikosen-Eis beim flanieren durch die vielen süssen Läden. Der Ausflug hatte sich wirklich gelohnt. Ach, da kriege ich gleich auch wieder Finnweh…

    • Liebe Sabrina,
      Im Sommer ist die Stadt auch herrlich, das kann ich mir vorstellen. Sie ist ja so urig und bunt.
      Danke für deinen Nachricht, Christine

  2. Ich war im September 2017 Rahmen einer Bürgerreise dort und habe den Kurzaufenthalt sehr genossen. Traumhaft verspielt und farbenfroh! Erinnerungen aus Spielzeug- und Penttikladen zieren jetzt Küche und Kinderzimmer. Danke für den Beitrag!

    • Das klingt wirklich traumhaft und dann sind ja deine Eindrücke noch richtig frisch! Solche Erinnerungsstücke sind toll und müssen einfach sein. Kenn ich gut!

      Danke für deinen Kommentar und freut mich, wenn dir der Beitrag gefallen hat.

      Kiitos, Christine

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